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Clubul Oamenilor de Afaceri
de Limba Germana din Transilvania de Nord

Deutschsprachiger Wirtschaftsclub Nordtransilvanien

Der digitale Arbeitsplatz und das Mitarbeiterprofil

13. Juli 2020

von Claudia Indreica, PhD

Das Jahr 2020 wird in die Geschichte eingehen als das Jahr, das eine große Veränderung unserer Arbeitsweise bewirkt hat. Heimarbeit war der erste Schritt... er kam plötzlich, wir hatten keine Zeit für Anpassung, für Bedenken bezüglich Akzeptanzniveau, für Berechnungen der Produktivität usw., wir sind alle einfach umgestiegen auf Heimarbeit.

Aber lasst uns doch den vollen Teil des Glases sehen. Diese Zeit hat uns dabei geholfen, neue Verhaltensweisen zu erlernen und es wäre zu wünschen, einige davon beizubehalten und Gewohnheiten daraus zu machen. Durch Ausprobieren lernen wir uns selbst besser kennen, wir können klarer abstecken, was zu uns passt, was unseren Bedürfnissen entspricht. Jetzt haben wir ein viel klareres Bild dessen, was Online-Schule bedeutet, was es heißt, mehreren Rollen gleichzeitig nachzugehen, wie ineffizient Multitasking ist, besonders wenn man von den Hausaufgaben der Kinder zum Kundenbericht übergeht... Wenn wir einige klaren Schlussfolgerungen ziehen konnten - über uns, und darüber, was wir erreichen wollen, dann sind wir um einiges reicher. So, wie uns Yuval Harari etwa empfiehlt: "investiert Zeit und Ressourcen, um euch selbst besser kennen zu lernen!". Das haben wir gerade getan.

Und in diesem neuen Kontext wurde uns bewusst, dass der Arbeitsplatz neu definiert wird, und der Ort keine definitorische Größe mehr darstellt. Wir beginnen, unseren digitalen Arbeitsplatz zu definieren. Wir sprechen nicht mehr von Büros und Gemeinschaftsbereichen, von Bürogebäuden und Parkplätzen. Wir haben einen digitalen Arbeitsplatz, in dem es Teams und Rollen gibt, definierte und entstehende Prozesse, Kollegen, mit denen wir abends ausgehen auf ein Bier, aber auch Roboter, die unsere Routineaufgaben übernehmen. Was wir da zwingend haben müssen? Gemeinsame Werte, eine geteilte Unternehmenskultur. Wir glauben an den Wert, den das Geschäft, in dem wir tätig sind, erschafft und... ganz wichtig ... an ein größeres Ziel, zu dem wir durch unsere Arbeit beitragen.

Die digitalen Arbeitsplätze verbinden sich untereinander durch Plattformen und integrieren neue digitale Produkte und Werkzeuge. Unser Cloud ist unser neuer Kollege, die digitale Sicherheit – die Kollegin die wir brauchen, damit wir alle zur gegebenen Zeit von unserem Standort aus eintreten können, um Wert zu erschaffen, in dem Bereich, in dem wir die besten sind. Somit kann sich das Unternehmen, dessen Teil wir sind, leisten, über die nötige Agilität zu verfügen - auf einem immer volatileren Markt, mit Kunden, deren Bedürfnisse sich äußerst schnell verändern. Wir haben einerseits Millenial-Mitarbeiter, die Flexibilität in der Arbeit schätzen, andererseits aber auch Millenial-Kunden, für die es wichtiger ist, neue Erfahrungen zu erleben, als sich eine Wohnung zu kaufen. Somit kommen wir zu zwei wichtigen Bestandteilen eines Geschäftes: die von den Kunden erlebte Erfahrung und die Erfahrung des Mitarbeiters. Den Kunden Alternativen zu bieten, unsere Dienstleistungen/ Produkte in Anspruch zu nehmen, und zwar genau auf die Art und Weise, die ihnen am bequemsten ist. Das Telefon, die Online-Bestellung oder die menschliche Interaktion werden es uns ermöglichen, technisch orientierte Menschen, aber auch nicht-technologisch orientierte Kunden zu erreichen – denjenigen, der bereit ist, mehr zu bezahlen, um das zu bekommen, was wir als maßgeschneiderte Dienstleitung bezeichnen. Es ist auch eine Form, die Zugänglichkeit zu den angebotenen Dienstleistungen der Unternehmen zu erhöhen – durch Pakete und Preise für eine breite Kundenpalette. Wir sollten nämlich nicht vergessen: der Kauf eines Produktes bedeutet auch die dazugehörigen Dienstleistungen.

Die Digitalisierung erlaubt es uns, den Vorgang der Entscheidungsfindung auf Manager-Ebene auf Daten zu stützen – datenbasierte Geschäftsentscheidungsfindung.

Die Nachverfolgbarkeit des gesamten Prozesses, die Daten betreffend den Touchpoint des Kunden, die Art des Eingriffs (automatisiert oder durch den Menschen), die Daten betreffend die Endleistung – sie alle bilden die beste Grundlage, um schnelle Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die alle Indikatoren beeinflussen: die Erfahrung des Kunden, die Qualität der Dienstleistung/ des Produktes, die Finanzindikatoren, die Logistik-Indikatoren, die Produktions-Indikatoren, aber auch die Kosten des gesamten Prozesses. Und schließlich ein Zuwachs an Wert, den wir durch unsere Tätigkeit anbieten, egal, in welchem Bereich.

Wie sieht aber das Anforderungsprofil des Mitarbeiters am digitalen Arbeitsplatz aus?

Wir durchbrechen die klassischen Stereotypen. Und die gesetzlichen Stereotypen müssen unbedingt aktualisiert werden... das ist zwingend!
Der Mitarbeiter am digitalen Arbeitsplatz ist entweder der Angestellte mit Arbeitsvertrag oder aber der Freiberufler, beschäftigt mit 9 oder 2 Stunden. Er kann an einem bestimmtem Projekt beteiligt sein, mit klarem zeitlichen Limit und zu erbringender Leistung, mit der Option, Mitarbeiter/ Dauerpartner beim Gastgeberunternehmen zu werden. Er hat die Möglichkeit, mit mehreren Unternehmen parallel zusammenzuarbeiten – natürlich mit Einhaltung von klaren ethischen Regeln und einer Wettbewerbsklausel - und trägt durch seine Kompetenzen und durch sein breit gefächertes Engagement zum Wachstum der Unternehmen bei, denen er seine Dienste zur Verfügung stellt. Er ist sich seiner Verantwortung für die eigene Weiterentwicklung bewusst, sucht den Zugang zur digitalen Akademie des Unternehmens, die ihm die Steigerung der Kompetenzen in die Entwicklungsrichtung des ihn beschäftigenden Unternehmens ermöglicht. Zur Verfügung stehen ihm hierfür Videomaterial, Spiele, Lernapps, Podcasts unter Anleitung eines Schulungsleiters - und so kann der Mitarbeiter in der digitalen Welt die Weiterentwicklung seiner Karriere selbst bestimmen, durch maximale Nutzung des Konzeptes der Erweiterung seiner Fähigkeiten, beziehungsweise der Umschulung, wenn die Umstände es verlangen.
Mit einer Haltung, die auf Zusammenarbeit zwecks Erreichen der vereinbarten Ziele ausgerichtet ist, wird die Leistung eines jeden Mitarbeiters transparent. Diejenigen, die es sich zur Gewohnheit gemacht haben, immer wieder Geschichten zu erfinden, um die mangelnde Leistung zu verschleiern, werden sich nun gezwungen sehen, ihre Haltung umzudenken. Digitalisierung und Transparenz entwickeln sich im Geschäft zu einem MUSS.

Die größte Bedeutung werden wir den Managerprofilen schenken. Mehr denn je werden die Manager die Konstante des Unternehmens darstellen. Und der Vorgang der Mitarbeiterbeschaffung wird bei der Definition der Rolle des Managers im Unternehmen beginnen, und nicht beim Kriterium der mitgebrachten Arbeitserfahrung. Die Werte, an die er glaubt, seine Offenheit den neuen Werkzeugen/ Technologien gegenüber, die Orientierung zum Lernen hin und die Unterstützung der Vielfalt in den einzelnen Teams sind lauter Aspekte, denen wir Bedeutung schenken werden.

Die Branche oder der Bereich, aus dem er kommt? Wird sich als weniger relevant erweisen. Denn in solchen Momenten des sich-neu-definierens/ sich-neu-erfindens, ist die Diversität, die Vielfalt diejenige, die die Innovation unterstützt. Das ist der Manager, der verschiedene Lösungen und Ansätze sieht, dort wo die Branche nichts mehr sehen kann.
Ich glaube, dass uns jedes Hindernis zugutekommt, es hilft uns, die eigenen Grenzen zu überwinden. Lasst uns diese Pandemie als gute Gelegenheit betrachten, um große Schritte zu tun in Richtung hin zu unserer Verwandlung.

Der vorliegende Artikel gehört zur 266. Ausgabe Mai-Juni der Zeitschrift CARIERE.


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