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Clubul Oamenilor de Afaceri
de Limba Germana din Transilvania de Nord

Deutschsprachiger Wirtschaftsclub Nordtransilvanien

Der Arbeitsmarkt und die Schlussfolgerungen der Pandemie im Jahr 2020

17. Dezember 2020

Der Arbeitsmarkt und die Schlussfolgerungen der Pandemie im Jahr 2020

von Claudia Indreica, PhD

Wir beenden ein atypisches Jahr, ein Jahr, das in den ersten Monaten – im Januar, Februar, sogar im März mit einem Vorsprung und mit intensiver Tätigkeit angefangen hat. Bis Mitte März, als der Lockdown plötzlich die Bremse zog. Eine eher antizipative Schutzmaßnahme, getroffen in einem Kontext, in dem noch zu wenige Informationen zur Verfügung standen - der Lockdwon hat uns in eine neue Wirklichkeit versetzt. Europa wurde sich plötzlich der eigenen Verletzlichkeit bewusst - nachdem wir stets den Weg der Kostenminimierung gegangen sind, haben wir uns in der Abhängigkeit von China und Indien, von Asien allgemein, wiedergefunden, was die Herstellung der medizinischen Grundprodukte betrifft - einschließlich der aktiven pharmazeutischen Wirkstoffe für lebensnotwendige Arzneimittel. Rumänien musste der Tatsache in die Augen sehen, dass sein Gesundheitwesen vor dem Kollaps steht – zu wenig Fachleute, Intensivbetten, die zwar als solche verzeichnet, jedoch nicht entsprechend mit Geräten ausgestattet sind, zu viel Bürokratie und zu viele Mitarbeiter, die nach anderen Kriterien als die Leistung und Eignung eingestellt worden sind.

In der Wirtschaft sind wir auf Heimarbeit umgestiegen, ohne uns allzulange vorbereiten oder anpassen zu können. Und nach neun Monaten, nachdem einige Unternehmen völlig auf Heimarbeit umgestiegen sind, während sich andere für Hybrid-Arbeitsplätze entschieden haben, also für eine Mischform von Heimarbeit und Büroarbeit, sind andere wiederum völlig zur Präsenz im Unternehmen zurückgekehrt – vor allem die Produktionsbetriebe. Es ergeben sich nun einige Schlussfolgerungen, die wir an dieser Stelle ziehen sollten:

1. Die Unternehmen stellen weiterhin neue Mitarbeiter ein, manche Firmen haben in Zeiten der Krise sogar eine gute Gelegenheit gesehen, begabte neue Mitarbeiter zu finden. Diejenigen Unternehmen, die mit Liquiditätsschwierigkeiten zu kämpfen hatten, waren am meisten exponiert.

2. Die Digitalisierung der Prozesse im Unternehmen hat hohe Priorität bekommen, aber ihre erheblichen Auswirkungen werden wir erst 2021 richtig zu spüren bekommen.

3. Die Profile der gewünschten Mitarbeiter verändern sich – ins Gewicht fallen immer mehr Eigenschaften wie die Fähigkeit, das Unvorhersehbare zu meistern, Alternativlösungen zu finden, Soft Skills anzuwenden und digitale Kompetenzen, die über die Nutzung von ERP-Systemen hinausgehen.

4. Dementsprechend haben wir in die Vorstellungsgespräche weitere Fragen eingebaut, wie zum Beispiel – Wie bauen Sie auf Distanz eine Beziehung zu einem potenziellen Kunden auf? Wie würden Sie ein Gerät aus der Ferne installieren? Wie vermitteln Sie dem Kunden aus der Ferne ein Gefühl von Wärme, von unterstützender Betreuung? Wie erhalten Sie das Engagement des Teams aufrecht, wenn der persönliche Kontakt stark eingeschränkt ist? Wie integrieren Sie den neuen Mitarbeiter in Ihrem Team in Ungarn mit Berücksichtigung der bestehenden Reiseverbote? Welche Prozesse würden Sie in Ihrer Abteilung automatisieren? ... und so weiter ...

5. In einem Jahr, das von der Pandemie geprägt war, haben wir die meisten psychologischen Profile erstellt – verglichen mit 2019. Warum? Es besteht ein akuter Bedarf, den richtigen Menschen auszuwählen, passend zum neuen Kontext, in dem die neue Definition der Wirklichkeit die Veränderung ist. Wir haben Profile erstellt für Verkaufsvertreter, Techniker und Manager, bis hin zu Geschäftsführern. Überrascht hat mich dabei ein gewisser Trend des Rückgangs auf zwei Skalen: des Selbstbewusstseins und der Selbstständigkeit. Mögliche Gründe dafür – die Telearbeit und die mangelnde Kommunikation bedingt durch die online-Interaktion, die viel zu wenig empathisch und persönlich ist und die Wahrnehmung der eigenen Erfolge ausschaltet. Es gibt aber noch einen Aspekt – wir haben uns nicht mehr in einem Kontext von "Kriegsgebieten" befunden, in denen man manchmal verliert, manchmal gewinnt, und wo dieser Tumult an gelebten Emotionen und persönlichen Reflexionen eine gesunde Interpretation der eigenen Person nähren konnte. Wir müssen also die besten Lösungen für Telearbeit oder für hybride Arbeitsmodelle identifizieren, gerade um die ganze Palette der Arbeitserfahrungen zu ermöglichen, die den Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, ihr persönliches Gleichgewicht zu erhalten.

6. Die toxischen Menschen aus den Unternehmen – der Mensch, der sich ständig über andere beschwert, der eine angespannte Atmosphäre um sich erzeugt, der sich stets selbst als zu befolgendes Beispiel gibt um leistungsstark zu sein, der keine Lösungen findet und seine Inkompetenz hinter einem inhaltsleeren Redeschwall verbirgt – diese Menschen sind nun auf dem Arbeitsmarkt zu finden, sie sind aktiv auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Die Pandemie hat den Austritt dieses Mitarbeiterprofils beschleunigt – die Leistung ist zwingend erforderlich geworden und kam unter die Lupe der schnellen Taten.

7. Der Leistungsdruck wird immer größer und die Gewinner sind diejenigen, die die quantitativen KPIs (Key Performance Indicators oder Leistungskennzahlen) durch qualitative KPIs gestützt haben. Wir haben unsere Herangehensweise verändert – wir ersetzen die Auffassung des schnellen und sogar einzigen Ergebnisses mit der Idee des Ergebnisses als ein erster Schritt in einer längeren Reihe von Ergebnissen.

8. Wir gehen also zur Idee der Geschäftspartnerschaften über – zu Partnerschaften mit den Kunden, den Mitarbeitern und den Lieferanten – ein entscheidender Schritt für den Reifeprozess des unternehmerischen Umfeldes.

Aus einem Videomaterial, das im Rahmen des Gipfeltreffens der Rumänischen Wirtschaftsführer (RBL Summit) mit George Saad gedreht wurde (ein Unternehmer mit Kompetenzen in den Bereichen Innovation und Kultur in der Wirtschaft) und den Titel trägt: "Go indestructible and face the crisis with a smile" ("Werde unverwüstlich und begegne der Krise mit einem Lächeln"), aus dem Videomaterial lässt sich also folgende wertvolle Schlussfolgerung ziehen:

Some industries are hard hit, there are no questions about it, but when your work provides pride and value and real impact – your customers, employees and suppliers will stick around.


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